Seit über drei Jahren wird in Graz über den Erhalt und die Umnutzung der Rösselmühle diskutiert: Kaum ein historisches Gebäude in Graz hat solche Emotionen geweckt, so viel Engagement und Protest hervorgerufen. Warum ist das so, was macht das einstige industrielle Wahrzeichen zum Sinnbild für Identität und Stadtentwicklung? Wer sind die Akteure, welche Perspektiven und Interessen spielen in den Zukunftskämpfen um die Mühle eine Rolle? Und vor allem: Was sagen die Menschen, die in der Mühle gearbeitet haben und die in ihrem Umfeld leben? Was macht das vielzitierte „Kollektivgedächtnis“ des Griesviertels tatsächlich aus?
Der Kulturanthropologe Jonathan Coenen hat den Erzählungen von Anwohner:innen und ehemaligen Belegschaftsmitgliedern der Rösselmühle über Mehl, Arbeit und Gemeinschaftlichkeit zugehört und ihre Erfahrungen von Verlust und Marginalisierung dokumentiert. Für seine Masterarbeit „Aushandlungsort Rösselmühle - Gedächtnis, Identitätsanker und Zukunftskämpfe auf der anderen Flussseite“ hat er zugleich die kontroversen Stadtdiskurse begleitet und analysiert: Eine Arbeit von brennender Aktualität, wie die aktuellen Auseinandersetzungen um die Rahmenplanung zum Areal Rösselmühle zeigen.
Im Februar 2023 gastierte die Ausstellung „MEHL GRIES BETON – die Rösselmühle im Gespräch“ im Volkskundemuseum am Paulustor. Dort stellt Jonathan Coenen nun am Donnerstag, 07. Mai um 18 Uhr seine Forschung vor. Die Projektgruppe zusammen mit dem Verein „Unverwechselbares Graz“ laden im Anschluss ein, zu diskutieren und im Gespräch zu bleiben.
Veranstaltet vom Institut für Kulturanthropologie & Europäische Ethnologie und dem Verein Unverwechselbares Graz in Zusammenarbeit mit dem Volkskundemuseum am Paulustor.
Zum Hineinlesen ist die MA-Arbeit „Aushandlungsort Rösselmühle“ online einsehbar: