Im Juli 2025 fand am Peršmanhof in Südkärnten ein rechtswidriger Polizeieinsatz gegen ein antifaschistisches Bildungscamp statt, der mit angeblichen Verstößen gegen Camping-, Naturschutz- und Aufenthaltsrecht begründet wurde. Der Ort war kein beliebiger Schauplatz. Als Tatort eines Massakers von 1945 und als Museum ist der Peršmanhof einer der wichtigsten Erinnerungsorte der Kärntner Slowen. Entsprechend wurde die Razzia in weiten Teilen der Gesellschaft als erneute Verletzung und Missachtung der autochthonen Minderheit gewertet und löste einen nationalen wie internationalen Aufschrei aus.
Der Vortrag nähert sich dem Polizeieinsatz am Peršmanhof aus der Perspektive der Border Studies und fragt, wie Grenzen jenseits staatlicher Grenzlinien wirksam werden. Er liest den Peršmanhof als ethnographischen Grenzort, der nicht an der Staatsgrenze gelegen ist, aber durch historische Grenzziehungen, sprachliche Ordnungen und erinnerungspolitische Sedimentierungen geprägt ist. Auf der Grundlage von parlamentarischen Dokumenten, Medienrekonstruktionen, Stellungnahmen, dem Kommissionsbericht und öffentlichen Debatten zeigt der Vortrag, wie vergangene Gewalt als „Spur“ in gegenwärtigen Praktiken staatlicher Autorität wiederkehrt.
Alexandra Schwell ist Universitätsprofessorin für Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Klagenfurt. Sie forscht zu politischen Kulturen, Grenzen und Sicherheitspraktiken und beschäftigt sich dabei mit dem Verhältnis von Staat, Gesellschaft und Politik.